Mundart in Klüsserath
Kath. Pfarrkirche Klüsserath mit Kriegerehrenmal
Eine kleine Anleitung zur Schreibweise der Mundart in Klüsserath

Die Klüsserather Mundart gehört wie  die luxemburgische Sprache zur moselfränkischen Sprachfamilie. Im Gegensatz zum Luxemburgischen hat das Klüsserather Platt leider keine Regeln für Grammatik und Rechtschreibung. Bei der schriftlichen Darstellung  muss deshalb improvisiert werden.

Die folgenden Ausführungen haben zum Ziel, einige wichtige Aspekte, die  für die Darstellung, die Lesbarkeit und das Verstehen unserer Mundarttexte von Bedeutung sind, zu erläutern.

Charakteristische Eigenschaften

Widmen wir uns zunächst dem Buchstaben „O“, der in unserer Mundart sehr dominant ist. Er ersetzt oder ergänzt häufig andere Schriftzeichen aus dem Hochdeutschen. Es folgen einige  Beispiele mit „A“: Bart = Bt, Fahrt = Ft, Straße = Strooß, Hahn = Hoahnen,  Langgasse = Loanggaaß  u.s.w. Beispiele mit „I“: ist = oass, bist = boass, gewiss = gëwoass, Kiste = Koasst  u.s.w. Beispiele mit „U“: Bauchfleisch = Bouchlappen, Butter = Boutta, Mutter = Moutta u.s.w.

Wie man diesen Beispielen entnehmen kann, bilden die Schriftzeichen „O“ mit „U“ und „O“ mit „A“ häufig spezielle Doppellaute, wobei immer das „O“ vorneweg steht. Im ersten Fall wird aus dem normalen „O“ ein dunkler, geschlossener Laut, wie  in dem Beispiel „Bouchlappen“ oder das „U“ bekommt eine etwas weichere, offenere Tönung, wie in dem Beispiel „Moutta“. In Kombination mit „A“ wird das „O“ hell und offen ausgesprochen, wie in dem Beispiel „Koast“. Alle Klangvarianten  finden wir in folgendem Satz: Dë Bouchlappen oass oamm Owen, uus Moutta Owennouff (Das Bauchfleisch ist im Ofen, die Mutter im Obergeschoss).

Weitere Lautfärbungen

Unsere Mundart kennt zumindest noch eine weitere „Zwischentonlage“, die am besten mit der Buchstabenkombination „ea“ zu verdeutlichen ist. Es handelt sich hier um eine zwischen „e“ und „ä“ liegende Lautfärbung. Zur Verdeutlichung der Unterschiede folgen beispielhaft einige Worte mit „e“, „ea“ und „ä“: Möbel = Mebëllen, Zettel = Zedel, Förster = Feeschta, Korbmacher = Kerëwa, Mehl = Meahl, heil = heahl, gelb = geahl, Weg = Weasch, Wäsche = Wääsch, Kessel = Kääßel, Kerl = Käädel, Keller = Kääla, Teller = Tääla.

Andere Besonderheiten

Nicht alle Schriftzeichen, die zur lautgetreuen Darstellung unserer Mundart erforderlich sind, findet man im deutschen Alphabet. Deshalb müssen einige Buchstaben aus dem latainischen Alphabet ausgeliehen werden. Es handelt sich hierbei um die Zeichen „ë“, „ï“, „á“, „é“ und „ú“. Über den ersten beiden finden wir zwei horizontale Punkte, das sogenannte Trema. Auch in unserem Alphabet sind die Umlaute „ä“, „ö“ und „ü“ mit solchen Doppelpunkten versehen.

Das Zeichen „ë“ wird z.B. im luxemburgischen Schriftsystem hauptsächlich als betontes [ɘ] verwendet, eine Mischung zwischen einem „e“ und einem „ö“. Es ersetzt das früher dort viel verwendete „ö“.  Zum Beispiel wurde aus „wöllen“ (auf Deutsch: wollen) „wëllen“. Im Klüsserather Dialekt hat dieses Wort übrigens dieselbe Bedeutung und dasselbe Klangbild.

Last but not least

Es gibt in unserer Mundart darüber hinaus unzählige weitere Begriffe, für deren korrekte Klangbild-Darstellung das Schriftzeichen „ë“ unverzichtbar ist. Darüber hinaus wird dieses Zeichen neben einem Vokal stehend mitunter auch als einzeln auszusprechender Buchstabe verwendet,   z. B. im deutschen Sprachraum in dem Namen „Piëch“ (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%8B).

Neben einem Vokal stehend ist auch das  „ï“ einzeln auszusprechen. Im Klüsserather Platt wird dieses Zeichen benötigt, um z. B. das hochdeutsche Wort „Hühnerei“ als „Heïnaaï“ zu artikulieren.

Den Buchstaben“ë“ bzw. „Ë“ findest Du folgendermaßen in deinem Windows-System:  Alt-Taste drücken und gleichzeitig im Nummernblock  +137 bzw +211 eintippen. Die Buchstaben „ï“ bzw. „Ï“ findest Du auf dieselbe Weise mit +139 bzw. +216.

Über den Buchstaben „a“, „e“ und „u“ steht ein Akut. Der Akut „´“(Akzent)  ist als kurzer Strich von links unten nach rechts oben zu sehen. Er bewirkt die besondere Aussprache oder Betonung der damit versehenen Schriftzeichen. Kommt er beispielsweise in einem der im deutschen Sprachraum bekannten Doppellaute „au“, „ai“, „ei“, „äu“ und „eu“ vor, müssen diese getrennt ausgesprochen werden. Dies ermöglicht es z. B. das hochdeutsche Wort „Frau“ in unserer Mundart als „Fráu“ oder „Fraú“ lautgetreu wiederzugeben.

Fazit

Ohne Rechtschreib- und Grammatikregeln ist es schwer, eine Schreibweise zu finden, die einerseits System hat und außerdem der Lautsprache möglichst nahe kommt.  Zum einen sind die Unterschiede im Klangbild oft so gering, dass die Festlegung auf eine bestimmte Ausdrucksform mitunter auch Geschmacksache ist. Zum anderen werden einige Begriffe sogar innerhalb von Klüsserath unterschiedlich gesprochen, und zwar die Betonung betreffend wie auch die gesamte Ausdrucksweise. Es gibt also einige Ursachen dafür, dass Differenzen in der Scheibweise identischer Begriffe auftreten können.

In Anbetracht dieser Aspekte muss es nicht verwundern, dass der ganze Entwicklungs-Prozess trotz aller Bemühungen  noch in den Kinderschuhen steckt. Diese Erkenntnis gewinnt umsomehr Platz, je intensiver man sich mit der ganzen Materie befasst. Ich hoffe, dass dieser Beitrag ein wenig hilft, das Ganze anzuschieben. Über Unterstützung jeglicher Art würde ich mich freuen.

Gerhard Lex

2 Kommentare zu „MUNDART IN KLÜSSERATH

  • 02.06.2017 um 10:57
    Permalink

    Hallo!
    Ich bin zufällig über den Blog gestolpert und freue mich sehr darüber etwas von Klüsserath zu erfahren.Auch über die Mundart Kategorie habe ich mich sehr gefreut.Dazu müssen sie wissen das meine Grosseltern aus Klüsserath stammen und ich als Kind sehr viel in Klüsserath war.Vielleicht sagt ihnen ja der Name Thömmes noch etwas (wohnten in der alten Schule in der Hauptstrasse).
    LG Silvia

    • 02.06.2017 um 15:42
      Permalink

      Hallo Silvia,
      schön, dass du dich mit Klüsserath sehr verbunden fühlst. Natürlich erinnern wir uns noch gut an deine Großeltern. Wir würden uns freuen, mehr von dir zu hören. Vielleicht hast du auch Lust, einen eigenen Blog-Beitrag über deine Kindheitserlebnisse in Klüsserath zu schreiben? Noch ein Hinweis bezüglich der persönlichen Anrede: Im Blog duzen wir uns.
      LG Gerhard Lex, Blog-Administrator

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